Kapitel 11 - Das Wirken Jesu auf Erden

Die Taufe im Jordan, Vorbereitungszeit in der Wüste

 1. Jesus, der liebevolle und demütige Nazarener, der auf die Stunde gewartet hatte, in der das göttliche Wort aus seinem Mund kommen würde, suchte Johannes an den Ufern des Jordan auf, um das Wasser der Taufe zu empfangen. Ging Jesus im Verlangen nach Reinigung hin? Nein, mein Volk. Ging er etwa, um einen Ritus zu vollziehen? Auch nicht. Jesus wusste, daß die Stunde gekommen war, in der er selbst aufhörte zu sein, in der der Mensch verschwand, um den Geist sprechen zu lassen, und er wollte jene Stunde durch eine Handlung kennzeichnen, die sich in das Gedächtnis der Menschen einprägen würde.

 2. Das symbolische Wasser hatte keinerlei Makel abzuwaschen, wohl aber machte es jenen Körper – als Beispiel für die Menschheit – frei von jeder Bindung an die Welt, um zu ermöglichen, dass er willensmässig mit dem Geist eins werden würde. Dies geschah, als jene, die zugegen waren, eine göttliche Stimme vernahmen, die mit Menschenworten sprach: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Hört auf ihn“.

 3. Von jenem Augenblick an wurde das Wort Gottes zum Wort des ewigen Lebens auf den Lippen Jesu, weil sich Christus in der Fülle durch ihn kundgab. Die Menschen nannten ihn Rabbi, Meister, Sendbote, Messias und Sohn Gottes. (308,25-27)

 

 4. Danach zog ich mich in die Wüste zurück, um zu meditieren und euch zu lehren, in Zwiesprache mit dem Schöpfer zu treten, und um in der Stille der Wüste das Werk zu betrachten, das Mich erwartete, und euch damit zu lehren, daß ihr euch zuvor läutern müßt, bevor ihr an die Erfüllung des Werkes geht, das ich euch anvertraut habe. Sucht danach in der Stille eures Wesens die direkte Zwiesprache mit eurem Vater, und so vorbereitet - lauter, gestärkt und entschlossen - macht euch unbeirrbar an die Erfüllung eurer schwierigen Mission. (113,9)

 

Die Einheit Jesu mit Gott

  5. Drei Jahre lang sprach ich zur Welt durch Jesu Mund, ohne daß eines meiner Worte oder einer meiner Gedanken von jenem Verstand entstellt wurde, ohne daß eine seiner Handlungen nicht mit meinem Willen übereingestimmt hätte. Der Grund dafür war, daß Jesus und Christus, Mensch und Geist eins waren, so wie Christus mit dem Vater eins ist. (308,28)

 

 6. Erkennt in mir den Vater; denn wahrlich, ich sage euch, Christus ist mit dem Vater eins von Ewigkeit her, noch bevor die Welten waren.

 7. In der Zweiten Zeit wurde dieser Christus, der mit Gott eins ist, auf Erden Mensch in dem gesegneten Körper Jesu und wurde so der Sohn Gottes, doch nur hinsichtlich seines Menschseins. Denn Ich sage euch noch einmal, daß nur ein einziger Gott existiert. (9, 48)

 8. Als ich Mensch wurde in Jesus geschah es nicht, um euch begreiflich zu machen, daß Gott menschliche Gestalt hat, sondern um mich sichtbar und hörbar zu machen für die, welche für alles Göttliche blind und taub waren.

 9. Wahrlich, ich sage euch, wenn der Körper Jesu die Gestalt Jehovas gewesen wäre, so hätte er weder geblutet noch wäre er gestorben. Es war ein vollkommener Körper, jedoch menschlich und empfindlich, damit die Menschen ihn sehen und die Stimme ihres himmlischen Vaters durch ihn hören sollten. (3,82)

 

 10. Zwei Naturen gab es in Jesus: eine materielle, menschliche, durch meinen Willen im jungfräulichen Schoß Marias geschaffen, welche ich den Menschensohn nannte, und die andere, göttliche- der Geist, welcher Sohn Gottes genannt wurde. In dieser war das göttliche Wort des Vaters, das in Jesus sprach; die andere war nur materiell und sichtbar. (21,29)

 

 11. Christus, das Wort Gottes war es, das durch den Mund Jesu, des reinen und lauteren Menschen sprach.

 12. Der Mensch Jesus wurde geboren, lebte und starb. Doch was Christus anbelangt: Er wurde nicht geboren, noch wuchs er in der Welt auf, noch starb er, denn er ist die Stimme der Liebe, der Geist der Liebe, das göttliche Wort, der Ausdruck der Weisheit des Schöpfers, welcher immerdar im Vater gewesen ist. (91,28-29)

 

Die Ablehnung Jesu als den erwarteten Messias

 13. Nicht von allen wurde ich in der Zweiten Zeit anerkannt. Als ich im Schoß des jüdischen Volkes erschien, das Mich bereits erwartete, weil es die von den Propheten gegebenen Vorzeichen erfüllt sah, brachte meine Gegenwart viele in Verwirrung, die die Propheten nicht richtig auszulegen verstanden und ihren Messias als einen mächtigen Fürsten zu sehen erwarteten, der seine Feinde niederwerfen würde, der die Könige, die Unterdrücker demütigen und denen, die ihn erwarteten, Besitztümer und irdische Güter gewähren würde.

 14. Als jenes Volk Jesus sah - arm und ohne Beinkleid, sein Körper nur mit einem einfachen Gewand bedeckt; in einem Stall geboren und später als einfacher Handwerker arbeitend, konnte es nicht glauben, daß er der vom Vater Gesandte sei, der Verheißene. Der Meister mußte sichtbare Wunder und Werke vollbringen, damit sie ihm glaubten und seine göttliche Botschaft verstünden. (227,12-13)

 

 15. Immer sind es die Demütigen und die Armen gewesen, die meine Gegenwart entdecken, weil ihr Verstandesvermögen nicht mit menschlichen Theorien beschäftigt ist, die ihr klares Urteilsvermögen trüben.

 16. In der Zweiten Zeit geschah es gleichfalls, dass - obwohl das Kommen des Messias angekündigt war- nur die Menschen von schlichtem Gemüt, von demütigem Geist und reinem Verstand ihn gefühlsmäßig erkannten, als er kam.

 17. Die Theologen hatten in ihren Händen das Buch der Propheten, und täglich wiederholten sie die Worte, die die Zeichen, die Zeit und die Art des Kommens des Messias ankündigten. Und dennoch- sie sahen mich und erkannten mich nicht, sie hörten mir zu und leugneten, dass ich der verheißene Heiland sei. Sie sahen meine Werke, doch das einzige, was sie zu tun wussten war, sich über sie zu empören, obwohl sie in Wahrheit alle geweissagt worden waren. (150, 21 - 23)

 

 18. Heute zweifelt man nicht mehr an Jesus, aber viele erörtern und leugnen sogar meine Göttlichkeit. Die einen gestehen mir große geistige Erhebung zu. Andere behaupten, daß auch ich den Entwicklungsweg des Geistes durchlaufe, um zum Vater gelangen zu können. Doch wenn es so wäre, hätte ich euch nicht gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. (170,7)

 

Jesus der heilbringende Gast

 19. Eure Aufgabe ist es, dem Vorbild eures göttlichen Meisters auf seinem Erdenweg nachzuleben. Erinnert euch: Wann immer ich mich in den Heimen zeigte, ließ ich in allen eine Botschaft des Friedens zurück, heilte ich die Kranken, tröstete die Betrübten mit der göttlichen Vollmacht, welche die Liebe besitzt.

 20. Niemals unterließ ich es, in ein Haus einzutreten, weil man mir darin nicht glauben würde. Ich wusste, daß beim Verlassen dieses Ortes die Herzen seiner Bewohner voll überquellender Freude sein würden. Denn ohne es zu wissen hatte ihr Geist durch meine Unterweisung in das Himmelreich geschaut.

 21. Zuweilen suchte ich die Herzen auf, manchmal suchten sie mich. Doch in allen Fällen war meine Liebe das Brot des ewigen Lebens, das ich ihnen im Sinngehalt meines Wortes gab. (28, 3-5)

 

Der unermüdliche Prediger Jesus

 22. Bei einigen Gelegenheiten, bei denen ich mich in die Einsamkeit irgendeines Tales zurückzog, blieb ich nur für Augenblicke allein, weil die Menschenmengen, begierig, mich zu hören, sich ihrem Meister im Verlangen nach der unendlichen Güte Seines Blickes näherten. Ich empfing sie und überströmte jene Männer, Frauen und Kinder mit der Zärtlichkeit meiner unbegrenzten Barmherzigkeit, weil ich wußte, daß es in jedem Geschöpf einen Geist gibt, um dessentwillen ich zur Welt gekommen war. Dann sprach ich zu ihnen vom Himmelreich, welches die wahre Heimat des Geistes ist, damit sie ihre innere Unruhe durch mein Wort besänftigen und sich an der Hoffnung stärken würden, das Ewige Leben zu erlangen.

 23. Es kam vor, daß es unter der Menge verborgen jemanden gab, der die Absicht hatte, meine Wahrheit schreiend zu leugnen und zu versichern, daß ich ein falscher Prophet sei. Aber mein Wort kam ihm zuvor, bevor er noch Zeit gehabt hatte, seine Lippen zu öffnen. Bei anderen Anlässen ließ ich zu, daß irgendein Lästerer mich schmähte, um vor der Menschenmenge zu beweisen, daß der Meister angesichts der Beleidigungen nicht unwillig wurde, womit ich ihnen ein Beispiel von Demut und Liebe gab.

 24. Es gab einige, die - von meiner Sanftmut beschämt - sich sogleich entfernten und bereuten, mit ihren Zweifeln den verletzt zu haben, welcher mit seinen Werken die Wahrheit verkündete. Sobald sich die Gelegenheit bot, kamen sie zu mir, folgten mir auf den Wegen nach - weinend, gerührt von meinem Wort, ohne auch nur zu wagen, mich anzusprechen, um mich für die Beleidigungen, die sie mir zuvor zugefügt hatten, um Vergebung zu bitten. Ich rief sie herbei, liebkoste sie mit meinem Wort und gewährte ihnen irgendeine Gnade. (28,6-7)

 

 25. Höret: Als ich bei euch auf Erden war, kamen die Menschen in Scharen zu mir - Menschen in hohen Stellungen, voller Eitelkeit, Regierende, die mich heimlich aufsuchten, um mich zu hören. Die einen bewunderten mich, aber aus Furchtsamkeit bekannten sie es nicht offen; andere lehnten mich ab.

 26. Es kamen Menschenscharen zu mir, die aus Männern, Frauen und Kindern bestanden und mir am Morgen, am Nachmittag und in der Nacht zuhörten, und immer fanden sie den Meister bereit, ihnen das Wort Gottes zu geben. Sie sahen, daß der Meister sich selbst vergaß und konnten sich nicht erklären, zu welcher Stunde er Nahrung zu sich nahm, damit sein Körper nicht schwach und seine Stimme nicht matt würde. Der Grund war, daß sie nicht wussten, daß Jesus aus seinem eigenen Geist Kräfte erhielt und in sich selbst Nahrung fand. (241,23)

 

Die Kinder- und Naturliebe Jesu

 27. Gelegentlich, wenn ich einmal allein war, wurde ich von Kindern entdeckt, die zu mir kamen, um mir kleine Blumen entgegenzustrecken, mir irgendeinen kleinen Kummer zu erzählen und mich zu küssen.

 28. Die Mütter waren ängstlich besorgt, wenn sie ihre Kleinen in meinen Armen fanden, wie sie meinen Worten lauschten. Die Jünger, die meinten, daß dies einen Mangel an Respekt gegenüber dem Meister bedeute, versuchten, sie aus meiner Nähe zu vertreiben. Da musste ich ihnen sagen: „Lasset die Kinder zu mir kommen; denn um ins Himmelreich zu gelangen, müsst ihr die Reinheit, die Einfachheit und Einfalt von Kindern haben“.

 29. Ich freute mich über jene Unschuld und Unbefangenheit, so wie jemand vom Anblick einer Blütenknospe erfreut wird, die sich gerade öffnet. (262,62-64)

 

 30. Wie oft wurde Jesus von seinen Jüngern dabei angetroffen, wie er mit den verschiedenen Geschöpfen des Universums sprach. Wie oft wurde der Meister bei seinen Gesprächen mit den Vögeln, mit der Flur, mit dem Meer überrascht! Doch sie wussten, daß ihr Meister nicht entrückt war, sie wussten, daß in ihrem Meister der Schöpfergeist des Vaters lebte, welcher allen Wesen eine Sprache gegeben hatte, welcher alle seine Kinder verstand, welcher von allem durch ihn Geschaffenen Lobpreis und Liebe empfing.

 31. Wie oft sahen die Jünger und die Leute Jesus, wie er einen Vogel oder eine Blume liebkoste und alles segnete, und in seinen Augen entdeckten sie Blicke unendlicher Liebe für alle Geschöpfe! Die Jünger erahnten die göttliche Wonne des Herrn, wenn er sich von so viel Herrlichkeit, so viel Wunderbarem umgeben sah, das aus seiner Weisheit hervorgegangen war. Und sie sahen auch oftmals Tränen in den Augen des Meisters, wenn er die Gleichgültigkeit der Menschen angesichts solcher Herrlichkeit sah, die Stumpfheit und die Blindheit der menschlichen Geschöpfe gegenüber soviel Glanz. Sie sahen den Meister oft weinen, wenn er einen Aussätzigen erblickte, der wegen seines Aussatzes Tränen vergoss, oder Männer und Frauen, die über ihr Schicksal klagten, obwohl sie von einer Sphäre vollkommener Liebe umgeben waren! (332,25 - 26)

 

Die Lehre Jesu

 32. Jesus lehrte euch die tätige Nächstenliebe, die Sanftmut, die Liebe. Er lehrte euch, euren Feinden von Herzen zu vergeben, sagte euch, daß ihr die Lüge verwerfen und die Wahrheit lieben sollt. Er verkündete euch, daß ihr sowohl das Böse, als auch das Gute, das ihr empfinget, immer mit Gutem vergelten sollt. Er lehrte euch die Achtung vor jedem eurer Nächsten und offenbarte euch die Art und Weise, wie man die Gesundheit des Körpers und des Geistes findet; wie ihr mit eurem Leben den Namen eurer Eltern ehrt, damit ihr zugleich von euren Kindern geehrt werden könnt.

 33. Dies sind einige der Gebote, die jeder befolgen muß, der wirklich Christ sein möchte. (151,35-36)

 

 34. Als die Schriftgelehrten und die Pharisäer die Taten Jesu beobachteten und sie entdeckten, daß sie von den ihren abwichen, behaupteten sie, daß die Lehre, die er predigte, gegen das Gesetz Moses verstieße. Der Grund dafür war, daß sie das Gesetz mit den Traditionen verwechselten. Doch ich bewies Ihnen, daß ich das Gesetz, das der Vater dem Moses offenbart hatte, nicht übertreten hatte, sondern es mit Worten und Werken erfüllte.

 35. Gewiss setzte ich mich über viele der Traditionen jenes Volkes hinweg, weil der Zeitpunkt bereits gekommen war, da sie verschwinden sollten, damit eine neue Zeit mit höheren Lehren beginnen konnte. (149,42 - 43)

 

 36. Erinnert euch, daß ich im ersten Gebot des Gesetzes, das ich der Menschheit durch Moses gab, sagte: „Ihr sollt euch kein Bildnis noch Gleichnis von himmlischen Dingen machen, um euch davor niederzuknien und es anzubeten“. Seit damals ist der Weg für den Menschen und den Geist deutlich vorgezeichnet.

 37. Moses beschränkte sich nicht darauf, den Menschen die Zehn Gebote zu übermitteln, er setzte auch zweitrangige Gesetze für das menschliche Leben in Kraft und führte Traditionen, Riten und Symbole innerhalb der geistigen Gottesverehrung ein, alles den Entwicklungsschritten entsprechend, die damals der menschliche Geist tat.

 38. Aber der verheißene Messias kam und beseitigte Traditionen, Riten, Symbole und Opfer und ließ nur das Gesetz unangetastet. Als daher die Pharisäer dem Volk sagten, daß Jesus gegen die Gesetze Moses eingestellt sei, antwortete ich ihnen, daß ich nicht gegen das Gesetz sei, vielmehr gekommen sei, um es zu erfüllen. Wenn meine Unterweisungen die Traditionen beseitigen würden, so geschähe dies, weil das Volk, um sie zu erfüllen, vergessen habe, das Gesetz zu befolgen. (254, 17 - 18.)

 

 39. Das göttliche Verlangen Jesu war es, daß seine Jünger zu Sämännern seiner erlösenden Lehre würden. Im erhabensten Augenblick seiner letzten Lehransprache an die Jünger, welche zugleich das letzte Gespräch zwischen dem Vater und den Kindern war, sagte er ihnen daher mit liebevoller Nachdrücklichkeit: Ich hinterlasse euch ein neues Gebot: „Liebet euch untereinander“. Mit dem Licht jenes höchsten Gebotes entzündete ich die größte Hoffnung der Menschheit. (254, 59)

 

 40. Mein Wort in der Gegenwart wird die Worte, die ich euch in der Zweiten Zeit gab, nicht auslöschen. Die Epochen, Jahrhunderte und Zeitalter werden vergehen, doch die Worte Jesu werden nicht vergehen. Heute erkläre und offenbare ich euch den Sinngehalt dessen, was ich euch damals sagte und ihr nicht verstandet. (114, 47)

 

"Wunder" Jesu

 41. Damit jene Lehre in den Herzen den Glauben entzünden würde, vollbrachte ich gleichzeitig Wundertaten, damit sie von ihnen geliebt werden könnte. Und damit diese »Wunder« möglichst handgreiflich wären, vollbrachte ich sie an den Körpern von Kranken, heilte ich die Blinden, die Tauben, die Stummen, die Lahmen, die Besessenen, die Aussätzigen und erweckte auch Tote zum Leben.

 42. Wieviele Wunder der Liebe tat Christus unter den Menschen! Ihre Namen bewahrte die Geschichte als Beispiel für zukünftige Generationen. (151,37 - 38)

 43. Wesen des Lichtes im Dienst des göttlichen Werkes, und andere, die rebellisch und unwissend waren, machten sich überall bemerkbar, und unter jener Menschheit traten die Besessenen in Erscheinung, welche die Wissenschaft nicht zu befreien vermochte und die vom Volk verstoßen wurden. Weder die Lehrer des Gesetzes, noch die Wissenschaftler vermochten jenen Kranken die Gesundheit zurückzugeben.

 44. Doch all dies war von mir vorgesehen, um euch zu lehren und euch Liebesbeweise zu geben. Ich gewährte euch durch Jesus die Heilung dieser Geschöpfe, zum Erstaunen vieler.

 45. Die Ungläubigen, die von der Macht Jesu sprechen gehört hatten und die um seine Wundertaten wussten, verlangten nach den schwierigsten Beweisen, um ihn einen Augenblick unsicher zu machen und zu beweisen, dass er nicht unfehlbar sei. Doch diese Befreiung der Besessenen, die Tatsache, dass ich sie in den Zustand normaler Menschenwesen zurückversetzte, nur indem ich sie berührte oder anblickte oder ein Befehlswort an sie richtete, damit jene Geister deren Verstand verlassen und beide von ihrer schweren Last befreit sein würden, verwirrte jene.

 46. Angesichts dieser Macht zeigten die Pharisäer, die Wissenschaftler, die Schriftgelehrten und die Zöllner unterschiedliche Reaktionen. Die einen anerkannten die Vollmacht Jesu, andere schrieben seine Macht unbekannten Einflüssen zu, wieder andere vermochten nichts dazu zu sagen. Aber die Kranken, die geheilt worden waren, segneten seinen Namen.

 47. Manche waren von einem einzigen Geist besessen gewesen, andere von sieben, wie Maria aus Magdala, und einige von einer so großen Zahl, dass sie selbst sagten, eine Legion zu sein.

 48. Während des ganzen Lebens des Meisters folgte eine geistige Manifestation nach der anderen. Die einen wurden von den zwölf Jüngern miterlebt, andere vom Volk - im Freien und in den Heimen. Es war eine Zeit der Wundertaten, der Wunder. (339, 20 - 22)

 

 49. Das Wunder, so wie ihr es versteht, gibt es nicht. Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Göttlichen und dem Materiellen.

 50. Jesus schreibt ihr viele Wunder zu. Doch wahrlich, ich sage euch, seine Taten waren die natürliche Auswirkung der Liebe, dieser göttlichen Kraft, welche ihr noch nicht zu gebrauchen wisst, obwohl sie in jedem Geist ungenutzt vorhanden ist. Denn ihr habt die Kraft der Liebe nicht kennen lernen wollen.

 51. Was war in allen Wundertaten, die Jesus vollbrachte, wirksam, außer Liebe?

 52. Höret, Jünger: Damit die Liebe Gottes sich der Menschheit kundgeben konnte, war die Demut des Werkzeuges notwendig, und Jesus war immer demütig; und da er davon den Menschen ein Beispiel gab, sagte er euch bei einer Gelegenheit, daß er ohne den Willen seines himmlischen Vaters nichts zu tun vermöchte. Wer nicht in die Demut dieser Worte eindringt, wird denken, daß Jesus ein Mensch wie jeder andere war. Doch die Wahrheit ist, daß er euch eine Lehre der Demut geben wollte.

 53. Er wusste, daß diese Demut, diese Einheit mit dem Vater ihn gegenüber der Menschheit allmächtig machte.

 54. O überaus große und schöne Verklärung, welche die Liebe, die Demut und die Weisheit schenkt!

 55. Nun wisst ihr, warum Jesus, obgleich er sagte, daß er nichts tun könne, wenn es nicht nach dem Willen seines Vaters war, in Wirklichkeit alles vermochte. Denn er war gehorsam, denn er war demütig, denn er machte sich zum Diener des Gesetzes und der Menschen, und er verstand zu lieben.

 56. Erkennet also, daß - obschon ihr selbst einige der Fähigkeiten der geistigen Liebe kennt - ihr sie nicht empfindet. Darum könnt ihr nicht die Ursache begreifen von all dem, was ihr Wunder oder Mysterium nennt, welches die Werke sind, die die göttliche Liebe bewirkt.

 57. Welche Lehren gab euch Jesus, die nicht aus Liebe bestanden hätten? Welche Wissenschaft, welche Übungen oder geheimnisvollen Kenntnisse wandte er an, um euch seine Beispiele von Macht und Weisheit zu geben? Nur die beseligende Liebe, mit der man alles vermag.

 58. Es gibt nichts Widersprüchliches in den Gesetzen des Vaters, die einfach sind, weil weise, und weise, weil von Liebe durchdrungen.

 59. Begreift den Meister, er ist euer Lehrbuch. (17,11 - 21)

 

 60. Der Geist, der Jesus belebte, war mein eigener, euer Gott, der Mensch wurde, um unter euch zu wohnen und sich anschauen zu lassen, weil dies notwendig war. Ich fühlte als Mensch alle menschlichen Leiden. Die Wissenschaftler, die das Wesen der Natur studiert hatten, kamen zu mir und entdeckten, daß sie von meiner Lehre nichts wussten. Große und Kleine, Tugendhafte und Sündige, Unschuldige und Schuldige empfingen die Essenz meines Wortes, und alle würdigte ich mit meiner Gegenwart. Doch obschon viele berufen wurden, waren es nur wenige Auserwählte, und noch weniger, die um mich waren. (44, 10)

 

"Wer frei ist von Sünde..."

 61. Ich verteidigte die Sünder. Erinnert ihr euch nicht an die Ehebrecherin? Als sie zu mir gebracht wurde, von der Volksmenge verfolgt und verdammt, kamen die Pharisäer und fragten mich: Was sollen wir mit ihr machen? - Die Priester erwarteten, daß ich sagen würde: Laßt die Gerechtigkeit walten, um dann zu erwidern: Wie kommt es, daß du die Liebe predigst und erlaubst, daß diese Sünderin bestraft wird? Und wenn ich gesagt hätte: Laßt sie frei, hätten sie geantwortet: In den Gesetzen Moses, die du- wie du sagst- bestätigst, gibt es eine Vorschrift, die besagt: Jede Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde, soll gesteinigt werden.

 62. Da ich ihre Absicht erkannte, antwortete ich nicht auf ihre Worte, beugte mich nieder und schrieb in den Staub der Erde die Sünden jener, die sie verurteilten. Von neuem fragten sie mich, was sie mit jener Frau tun sollten, und ich antwortete ihnen: „Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Da erkannten sie ihre Verfehlungen und entfernten sich, wobei sie ihre Gesichter bedeckten. Keiner war rein, und da sie sich von mir bis auf den Grund ihres Herzens durchschaut fühlten, klagten sie jene Frau nicht mehr an, denn sie alle hatten gesündigt. Doch die Frau und mit ihr andere, die gleichfalls die Ehe gebrochen hatten, bereuten und sündigten nicht mehr. Ich sage euch, es ist leichter, einen Sünder durch Liebe zu bekehren als durch Strenge. (44, 11)

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Maria Magdalena

 63. Maria Magdalena – die Sünderin, wie die Welt sie genannt hat – hatte meine Zärtlichkeit und meine Vergebung verdient.

 64. Bald erlangte sie ihre Erlösung, was bei anderen nicht geschieht die nur halbherzig um Vergebung für ihre Sünden bitten. Während sie das, wonach sie suchte, bald fand, erlangen es andere nicht.

 65. Magdalena wurde vergeben, ohne mit ihrer Umkehr zu prahlen. Sie hatte gesündigt, wie auch ihr sündigt; doch sie hatte viel geliebt.

 66. Wer liebt, mag Verirrungen in seinem menschlichen Verhalten aufweisen; doch die Liebe ist die Zärtlichkeit, die aus dem Herzen überströmt. Wenn ihr wollt, dass euch – wie ihr – vergeben werden soll, so richtet eure Blicke voll Liebe und Vertrauen auf mich, und ihr werdet von jeder Verfehlung freigesprochen werden.

 67. Jene Frau sündigte nicht mehr. Die Liebe, von der ihr Herz überströmte, widmete sie der Lehre des Meisters.

 68. Ihr wurde vergeben, obwohl sie Fehler begangen hatte. Aber in ihrem Herzen brannte das Feuer, das läutert, und aufgrund der Vergebung, die die Sünderin empfing, trennte sie sich keinen Augenblick mehr von Jesus. Meine Jünger dagegen ließen mich in den blutigsten Stunden allein. Doch jene geringgeachtete Maria trennte sich nicht von mir, verleugnete mich nicht, fürchtete sich nicht, noch schämte sie sich.

 69. Daher wurde ihr gewährt, zu Füßen meines Kreuzes und über meiner Grabesstätte Tränen zu vergießen. Ihr Geist fand bald Erlösung, weil sie viel liebte.

 70. In ihrem Herzen hatte auch sie einen Apostelgeist. Ihre Bekehrung strahlt wie das Licht der Wahrheit. Sie hatte sich zu meinen Füßen niedergeworfen, um mir zu sagen: „Herr, wenn Du es willst, werde ich frei von Sünde sein“.

 71. Ihr dagegen – wie oft wollt ihr mich von eurer Unschuld überzeugen, indem ihr eure Verfehlungen mit langen Gebeten verdeckt.

 72. Nein, Jünger, lernt von ihr, liebt euren Herrn wirklich in jedem eurer Brüder. Liebt viel, und eure Sünden werden euch vergeben werden. Ihr werdet groß sein, wenn ihr diese Wahrheit in euren Herzen zum Erblühen bringt. (212, 68 – 75)

 

Nikodemus und die Reinkarnationsfrage

 73. In jener Zeit sagte ich Nikodemus, der mich in guter Gesinnung aufgesucht hatte, um mit mir zu sprechen: Was vom Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was vom Geiste geboren ist, ist Geist. Wundere dich nicht, wenn ich dir sage, daß man nochmals geboren werden muß. Wer verstand jene Worte?

 74. Ich wollte euch mit ihnen sagen, daß ein Menschenleben nicht genügt, um eine einzige meiner Lehren zu begreifen, und daß ihr, um das Lehrbuch, das dieses Leben in sich birgt, zu verstehen, viele Erdenleben benötigt. Daher hat das Fleisch nur die Aufgabe, dem Geist als Stütze zu dienen bei ihrem Gang über die Erde. (151, 59)

 

Die Verklärung Jesu

75. In der Zweiten Zeit machte Jesus einmal eine Wanderung, gefolgt von einigen seiner Jünger. Sie hatten einen Berg erstiegen, und während der Meister jene Männer durch seine Worte mit Bewunderung erfüllte, sahen sie plötzlich den Körper ihres Herrn verklärt, welcher im Raum schwebte und zu seiner rechten den Geist Moses und zu seiner linken den des Elias.

 76. Bei jenem übernatürlichen Anblick warfen sich die Jünger zur Erde, geblendet vom göttlichen Licht. Doch sie beruhigten sich sogleich und schlugen ihrem Meister vor, über seine Schultern den Purpurmantel der Könige zu legen, ebenso über Mose und Elia. Da hörten sie eine Stimme, die aus der Unendlichkeit herabkam, welche sprach: „Dies ist Mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; hört auf ihn!“

 77. Große Furcht befiel die Jünger, als sie jene Stimme hörten, und als sie aufblickten, sahen sie nur den Meister, der ihnen sagte: „Fürchtet euch nicht und erzählt dieses Gesicht niemandem, bis ich von den Toten auferstanden bin“. Da fragten sie ihren Herrn: „Warum sagen die Schriftgelehrten, daß Elia zuvor kommen muss?“ Und Jesus antwortete ihnen: „Wahrlich, Elia wird zuvor kommen und alle Dinge zurechtrücken. Doch ich sage euch, daß Elia schon gekommen ist, und sie erkannten ihn nicht; vielmehr taten sie an ihm, was sie wollten“. Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach.

 78. Wie oft habe ich in der jetzigen Zeit vor euren Augen die Materie, durch die ich mich mitteile, unsichtbar werden lassen, um euch dann zu erlauben, mich in der menschlichen Gestalt, in der die Menschheit Jesus kannte, zu schauen, und dennoch habt ihr euch angesichts der neuen Verklärung nicht niedergeworfen. (29,15 - 18)

 

Wer die Wahrheit liebt, verbirgt sie nicht

 79. Als ich damals Mensch geworden unter euch lebte, geschah es oftmals, daß bei Nacht, wenn alle ruhten, Menschen zu mir kamen, die mich heimlich aufsuchten, weil sie fürchteten, entdeckt zu werden. Sie suchten mich auf, weil sie Gewissensbisse fühlten, da sie mich angeschrieen und Ärgernis gegen mich erregt hatten, während ich zur Menschenmenge sprach. Ihr Reuegefühl war noch eindringlicher, als sie feststellten, daß mein Wort in ihrem Herzen ein Geschenk des Friedens und des Lichts hinterlassen hatte, und ich in ihrem Körper meinen Heilbalsam verströmt hatte.

 80. Mit gesenktem Kopf erschienen sie bei mir und sagten mir: Meister, vergib uns, wir haben erkannt, daß dein Wort Wahrheit enthält. Ich antwortete ihnen: „Wenn ihr entdeckt habt, daß ich nur die Wahrheit spreche - warum verbergt ihr euch dann? Geht ihr nicht ins Freie, um die Strahlen der Sonne zu empfangen, wenn diese erscheint - und wann habt ihr euch dessen geschämt? Wer die Wahrheit liebt, verheimlicht sie niemals, noch leugnet er sie, noch schämt er sich ihretwegen“.

 81. Ich sage euch dies, weil ich sehe, daß viele mir nur heimlich zuhören und leugnen, wohin sie gegangen sind. Sie verheimlichen, was sie gehört haben, und manchmal streiten sie ab, bei mir gewesen zu sein. Wessen schämt ihr euch dann? (133,23 - 26)

 

Anfeindungen gegen Jesus

 82. Wenn ich in der Zweiten Zeit zu den Menschenscharen sprach, wurde mein Wort- in Sinngehalt und Form vollkommen, von allen vernommen. Mein in die Herzen dringender Blick entdeckte alles, was ein jeder in sich barg. In den einen war Zweifel, in anderen Glauben, in wieder anderen sprach eine angsterfüllte Stimme zu mir. Es waren die Kranken, deren Schmerz sie von mir ein Wunder erhoffen ließ. Es gab welche, die ihren Spott zu verbergen suchten, wenn sie mich sagen hörten, daß ich vom Vater käme, um den Menschen das Himmelreich zu bringen, und es gab auch Herzen, in denen ich Haß gegen mich entdeckte und die Absicht, mich zum Schweigen zu bringen oder zu beseitigen.

 83. Es waren die Hochmütigen, die Pharisäer, die sich durch meine Wahrheit angegriffen fühlten. Denn obwohl mein Wort so klar war, so voller Liebe und so trostreich - obwohl es immer durch machtvolle Werke bestätigt wurde, bestanden viele Menschen darauf, die Wahrheit meiner Gegenwart in der Beurteilung Jesu zu leugnen, indem sie mein Leben erforschten und ihr Augenmerk auf die Bescheidenheit meiner Gewänder und meine absolute Armut an materiellen Gütern richteten.

 84. Doch nicht zufrieden damit, mich zu verurteilen, verurteilten sie auch meine Jünger, beobachteten sie diese genau, ob sie nun sprachen, ob sie mir auf den Wegen nachfolgten oder sich zu Tisch setzten. Wie regten sich die Pharisäer darüber auf, als sie bei einer bestimmten Gelegenheit sahen, daß meine Jünger sich nicht die Hände gewaschen hatten, bevor sie sich zu Tische setzten! Armselige Köpfe, die die Reinlichkeit des Körpers mit der Reinheit des Geistes verwechselten! Sie waren sich nicht bewusst, dass, wenn sie im Tempel die heiligen Brote anfassten, ihre Hände zwar sauber, aber ihre Herzen voller Fäulnis waren. (356,37 - 38)

 

 85. Auf Schritt und Tritt forschte man mich aus. Alle meine Taten und Worte wurden mit böser Absicht beurteilt, meist waren sie angesichts meiner Werke und Beweise verwirrt, denn ihr Verstand war nicht fähig, das zu verstehen, was nur der Geist begreifen kann.

 86. Wenn ich betete, sagten sie: Wozu betet er, wo er doch sagt, daß er voll Macht und Weisheit ist? Was kann er benötigen oder erbitten? Und wenn ich nicht betete, sagten sie, daß ich ihre religiösen Vorschriften nicht erfülle.

 87. Wenn sie sahen, daß ich keine Nahrung zu mir nahm, während meine Jünger aßen, urteilten sie, daß ich mich außerhalb der von Gott eingesetzten Gesetze befand. Und wenn sie mich Nahrung zu mir nehmen sahen, fragten sie sich, wozu ich essen müsse, ich, der behauptete, das Leben zu sein. Sie verstanden nicht, daß ich zur Welt gekommen war, um den Menschen zu offenbaren, wie die Menschheit nach einer langen Läuterungszeit leben würde, damit aus ihr eine vergeistigte Generation hervorgehen würde, die über dem menschlichen Elend, über den notwendigen Bedürfnissen des Fleisches und über den Leidenschaften der körperlichen Sinne stünde. (40,11 - 13)

 

Abschiedsankündigung

 88. Drei Jahre lang lebte Jesus mit seinen Jüngern zusammen. Er wurde von großen Menschenmengen umlagert, die ihn zutiefst liebten. Es gab für jene Jünger nichts als das Hören auf ihren Meister, wenn er seine göttliche Lehre predigte. Seinen Schritten folgend spürten sie weder Hunger noch Durst, es gab keinerlei Straucheln oder Hemmnis, alles war Friede und Glück in der Atmosphäre, die jene Gruppe umgab, und dennoch – als sie einmal von der Betrachtung ihres geliebten Jesus besonders hingerissen waren, sprach er zu ihnen: „Es wird nun eine andere Zeit kommen. Ich werde von euch gehen, und ihr werdet wie Schafe unter Wölfen zurückbleiben. Diese Stunde rückt näher, und es ist notwendig, daß ich dahin zurückkehre, von wo ich gekommen bin. Ihr werdet eine Zeitlang allein sein und das Zeugnis von dem, was ihr gesehen und gehört habt, den nach Liebe und Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden bringen. Wirkt in meinem Namen, und hernach werde ich euch zu mir nehmen in die ewige Heimat“.

 89. Jene Worte machten die Jünger traurig, und je näher die Stunde kam, wiederholte Jesus jene Ankündigung mit größerem Nachdruck, sprach er von seinem Abschied. Aber zugleich tröstete er die Herzen jener, die ihm zuhörten, indem er ihnen sagte, daß sein Geist nicht scheiden und auch fernerhin über die Welt wachen würde. Wenn sie sich zurüsteten, um den Menschen jener Zeit sein Wort als eine Botschaft des Trostes und der Hoffnung zu bringen, so würde er durch ihren Mund sprechen und Wunder tun. (354,26 - 27)

 

Jesu Einzug in Jerusalem

 90. Jubelnd empfingen mich die Menschenmengen, als ich die Stadt Jerusalem betrat. Aus den Dörfern und Gassen kamen sie in Scharen – Männer, Frauen und Kinder, um den Einzug des Meisters in die Stadt mitzuerleben. Es waren jene, die das Wunder und den Beweis der Macht des Gottessohnes erhalten hatten – Blinde, die nun sahen, Stumme, die jetzt Hosiannah singen konnten, Lahme, die ihr Bett verlassen hatten und eilends herbeikamen, um den Meister auf dem Passahfest zu sehen.

 91. Ich wusste, daß dieser Triumph flüchtig war, meinen Jüngern hatte ich bereits vorausgesagt, was danach geschehen würde. Dies war kaum mehr als der Beginn meines Kampfes, und heute, aus weitem Abstand zu jenen Geschehnissen, sage ich euch, daß das Licht meiner Wahrheit weiterhin gegen die Finsternis der Unwissenheit, der Sünde und des Betrugs kämpft, weshalb Ich hinzufügen muß, daß mein endgültiger Triumph noch nicht gekommen ist.

 92. Wie könnt ihr glauben, daß jener Einzug in Jerusalem den Sieg meiner Sache bedeutet habe, wo es doch nur einige wenige waren, die sich bekehrt hatten, und derer viele waren, die nicht erkannten, wer ich war?

 93. Und selbst wenn jene Menschen sich alle zu meinem Wort bekehrt hätten – mussten nicht noch viele Generationen nachfolgen?

 94. Jener Augenblick des Jubels, jener kurzfristige, triumphale Einzug war nur das Sinnbild des Sieges des Lichts, des Guten, der Wahrheit, der Liebe und der Gerechtigkeit – des Tages, der kommen muß und zu dem ihr alle eingeladen seid.

 95. Wisset, daß wenn ein einziges meiner Kinder sich dann außerhalb des Neuen Jerusalem befände, kein Fest stattfinden würde, denn Gott könnte dann nicht von Triumph sprechen, er könnte keinen Sieg feiern, wenn seine Macht nicht imstande gewesen wäre, auch das letzte seiner Kinder zu retten. (268, 17 - 21)

 

 96. Ihr seid dieselben, die in der Zweiten Zeit das Hosiannah sangen, als Jesus Jerusalem betrat. Heute, da ich mich euch im Geiste kundtue, breitet ihr nicht mehr eure Mäntel auf meinem Weg aus, es sind eure Herzen, die ihr eurem Herrn als Wohnung anbietet. Heute kommt euer Hosiannah nicht mehr aus voller Kehle, dies Hosiannah entspringt eurem Geist als ein Hymnus der Demut, der Liebe und Erkenntnis des Vaters, als ein Hymnus des Glaubens an diese Kundgebung, die euer Herr euch in der Dritten Zeit gebracht hat.

 97. Einst wie heute seid ihr mir bei meinem Einzug in Jerusalem gefolgt. Die großen Menschenmassen umgaben mich, gefesselt von meinen Worten der Liebe. Männer und Frauen, Alte und Kinder erschütterten die Stadt mit ihren Jubelrufen, und selbst die Priester und Pharisäer, die befürchteten, daß das Volk rebellieren würde, sprachen zu mir: „Meister, wenn Du den Frieden lehrst - warum erlaubst Du, daß Deine Anhänger einen solchen Aufruhr verursachen?“ Doch ich antwortete ihnen: „Wahrlich, ich sage euch, wenn diese schweigen würden, würden die Steine sprechen“. Denn es waren Augenblicke des Jubels, es war der Höhepunkt und die Verherrlichung des Messias unter den nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden - jenen Geistern, die lange Zeit hindurch die Ankunft des Herrn in Erfüllung der Prophezeiungen erwartet hatten.

 98. Mit jenem Jubel und jener Freude feierte mein Volk auch die Befreiung aus Ägypten. Jenes Gedenken an das Passah wollte ich für mein Volk unvergesslich machen. Aber wahrlich, ich sage euch, ich befolgte nicht bloß eine Tradition, indem ich ein Lamm opferte - nein, ich bot mich in Jesus, dem Opferlamm, als den Weg an, durch den alle meine Kinder Erlösung finden würden. (318,57 - 59)

 

Das letzte Abendmahl

 99. Als Jesus mit seinen Jüngern jenes Passahmahl feierte, wie es der Tradition jenes Volkes entsprach, sagte er ihnen: Etwas Neues offenbare ich euch nun. Nehmt von diesem Wein und eßt von diesem Brot, die mein Blut und meinen Körper darstellen, und tut dies zu meinem Gedächtnis.

 100. Nach dem Hinscheiden des Meisters gedachten die Jünger des Opfers ihres Herrn, indem sie Wein zu sich nahmen und Brot aßen, was Symbole für jenen waren, der aus Liebe zur Menschheit alles hingab.

 101. Im Laufe der Jahrhunderte gaben die in Konfessionen aufgespalteten Völker meinem Wort unterschiedliche Auslegungen.

 102. Heute will ich euch sagen, was ich in jener Stunde, bei jenem Abendmahl empfunden habe, bei dem jedes Wort und jede Handlung Jesu die Lektion eines Buches von tiefer Weisheit und unendlicher Liebe war. Wenn ich dazu Brot und Wein verwendete, geschah es, um euch verstehen zu lassen, daß sie der Liebe gleichen, welche die Nahrung und das Leben des Geistes ist. Und wenn Ich euch sagte: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, dann wollte der Meister damit sagen, daß ihr eure Nächsten mit einer Liebe ähnlich jener von Jesus lieben und euch den Menschen als wahre Nahrung hingeben solltet.

 103. Jeder Ritus, den ihr aus diesen Unterweisungen macht, wird unfruchtbar sein, wenn ihr meine Lehren und Beispiele nicht in eurem Leben zur Anwendung bringt. Gerade das ist das Schwierige für euch, aber darin besteht das Verdienst. (151, 29 - 32, 34)

 

 104. So wie ihr jetzt um mich seid, so war es auch an jenem letzten Abend in der Zweiten Zeit. Die Sonne ging gerade unter, als Jesus sich in jenem Raum zum letzten Mal mit seinen Jüngern besprach. Es waren die Worte eines sterbenden Vaters an seine vielgeliebten Kinder. Trauer war in Jesus und auch in den Jüngern, die noch nicht wussten, was einige Stunden später jenen erwartete, der sie gelehrt und so sehr geliebt hatte. Ihr Herr war im Begriff zu scheiden, doch sie wussten noch nicht wie. Petrus weinte und umklammerte dabei den Kelch an seinem Herzen, Johannes benetzte mit seinen Tränen die Brust des Meisters. Matthäus und Bartholomäus waren außer sich bei meinen Worten. Philippus und Thomas verbargen ihre Bitterkeit, während sie aßen. Jakobus der Jüngere und Ältere, Thaddäus, Andreas und Simon waren stumm vor Schmerz; dennoch war es vieles, was sie zu mir mit dem Herzen sprachen. Auch Judas Ischariot trug Schmerz in seinem Herzen, doch auch Angst und Gewissensbisse. Aber er konnte nicht mehr zurück, weil die Finsternis ihn in Besitz genommen hatte.

 105. Als Jesus seine letzten Worte und Ermahnungen gesprochen hatte, waren jene Jünger tränenüberströmt. Doch einer von ihnen war nicht mehr da, sein Geist konnte so viel Liebe nicht aufnehmen, noch so viel Licht schauen, und so ging er fort, weil jenes Wort sein Herz versengte. (94, 56-58)

 

 106. Die göttliche Sehnsucht Jesu war, daß seine Jünger zu Sämännern seiner erlösenden Lehre werden würden.

 107. Auf dem Höhepunkt seiner letzten Ansprache an die Jünger, welche zugleich das letzte Gespräch zwischen dem Vater und den Kindern war, sagte er ihnen daher in liebevollem Ton: Ich gebe euch nun ein neues Gebot: „Liebet einander“.

 108. Mit dem Licht jenes Höchstgebotes entzündete er dabei die größte Hoffnung für die Menschheit. (254, 59)