Gedanken über die Seele

Seit einiger Zeit begleitet mich ein Gedanke, der sich durch eine Arbeit einer mexikanischen Gruppe und durch zwei Impulse aus einer Arbeitsgruppe von Spiritualisten, zu bestätigen scheint.

Jene Arbeit verglich Passagen aus dem Buch des Wahren Lebens (BWL), die sich mit der Natur bzw. Schöpfung befassen, mit der 50. Erläuterung der Geistigen Lichtwelt (ELW). In dieser Arbeit kamen sie zum Schluss, dass die Natur mit dem „Lebensatem“ gleichgestellt werden könne, d.h. dass der „Lebensatem“ das belebende Element in der Natur bzw. Schöpfung ist und diese somit auch als „Seele“ bezeichnet werden kann.

Der eine der zwei Impulse aus unserer Arbeitsgruppe besagte, dass der Vater und Meister auf sehr einfache Weise zu der mexikanischen Hörerschaft gesprochen hat, damit sie die Essenz des Dritten Testaments (DT) verstehen konnten. Der andere Impuls war, dass im Buch des Wahren Lebens unter dem Begriff von „espíritu“ auch „alma“ subsumiert sein könnte. Diese Impulse unterstützen den Gedanken, den ich im Folgenden darstellen möchte.

These:

Die Seele besteht (modellhaft gesehen) aus zwei Teilen: der erste Teil ist die „Körperseele“ oder auch „Lebensatem“ genannt; der zweite Teil besteht aus der „Geistseele“, also jener Teil, der in ELW 50,20 als „feinstoffliche Gestalt des Geistes“ beschrieben wird.

ELW 50,20: Der Odem des Vaters ist Essenz, essenzieller Hauch, und die Seele ist feinstoffliche Gestalt, durch welche sich der Geist im materiellen Universum bekundet.

Die folgenden Verse aus den Unterweisungen der Versammlungsstätte El Redentor haben mich zu dieser These geführt. Denn in diesen Unterweisungen, welche z.T. auch im BWL aufgenommen wurden, kommt der Begriff der „Seele“ tatsächlich vor1.

El Redentor, 31.12.1950/U. 366,78:

Glaubt ihr etwa, dass Ich meine letzten Worte aus Kreuzeshöhe an euch richten werde? Die Menschheit hat sich noch nicht erneuert. Klagen erheben sich zu mir, Lästerungen der Menschen, der taube Kriegslärm, das Weinen der Kinder und die Trostlosigkeit von Männern und Frauen gelangen zu mir. Ich sehe Trauer und Armut, sehe den Zerfall von Reiche und Mächte, die im Begriff sind, einzustürzen, Ich sehe Todeshauch in der ganzen Menschheit. Und inmitten all dieser Verfluchungs- und Anrufungs-Stimmen gelangt eine Stimme zu Mir, die meinen Göttlicher Geist rührt, eine Stimme, die unter den Menschen in Erscheinung tritt, und es ist ein Wort, welches sagt: Komm! Das sagt mir diese Welt, oh Volk. Komm! Denn der Geist weiss um meine Verheissung, denn die Menschen wissen, dass Ich meine Wiederkunft angekündet habe, denn die Menschen haben andere aufgeweckt und ihnen gesagt: Der Herr hat angekündet, dass Er wiederkommen werde. Denn angesichts der Abwesenheit von menschlicher Gerechtigkeit, wenden die Seelen ihre Augen zu Mir auf der Suche nach meinem Frieden und meiner Gerechtigkeit, um mir zu sagen: Weshalb kommst Du nicht? Weshalb siehst Du meinen Schmerz nicht? Weshalb siehst Du meine Tragödie nicht?

>Hier wurde der Begriff der „Seele“ im BWL durch „Geist“ ersetzt

El Redentor, 7.5.1950, S1:

Ich habe den Menschen erschaffen. Ich habe jedem von euch einen Funken meines Geistes gegeben und den freien Willen, den Ich in das Herz jedes meiner Kinder hineingelegt habe. Er muss im irdischen Leben kämpfen, welches das Läuterungsbad für den Geist ist, den Unschuldigen,

den Guten auf dieser Erde. Unschuldig ist das Fleisch, doch der Geist, auch wenn seine Intelligenz sich an nichts zurückerinnert, (weiss) um die früheren Erlebnisse und er kämpft wider allen Schwierigkeiten. Er spricht durch sein Gewissen zur menschlichen Seele, er führt und berät sie, und so wächst der menschliche Geist heran und wird das Licht, den Frieden finden, indem es gegen alle verwirrten Geister kämpft.


El Redentor, 26.3.1950/ U. 317,2: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, sage Ich euch noch einmal. Mein Wort ist das Brot, welches euren Geist ernährt, meine Gegenwart bringt euch den ersehnten Frieden. Wie viele Prüfungen habt ihr auf der Welt erlebt! Ihr habt den Frieden und den Trost in den irdischen Vergnügungen gesucht, und als ihr sie nicht gefunden habt, seid ihr zu mir zurückgekehrt und habt mir gesagt: „Herr, nur in Dir finden wir den Frieden und den Trost für unsere Seele“.
> Hier wurde der Begriff der „Seele“ im BWL durch „Geist“ ersetzt

El Redentor, 17.9.1950 / U. 339,33: Jene Zeiten in welchen die Frau, voll an Tugenden, Zärtlichkeit, moralischer Kraft, Schönheit in ihrer Seele und in ihrem Körper, auch Schoss, Wiege, Quelle an Güte und gutem Vorbild für ihre Kinder war, jene Tage…
> Hier wurde der Begriff der „Seele“ im BWL durch „Geist“ ersetzt

El Redentor, 16.7.1950, S7: Vertraut mir, denn Ich bringe in meinen Händen die geistige Medizin mit! Ich komme, um die Krankheit eures Körpers und eurer Seele zu heilen. Ich bin das Heilbalsam, das sich von eurem Schädel bis zu euren Füssen ergiesst. Ich bin Trost für den Betrübten, Frieden für jene Schutzlosen, für jenen der leidet, für jenen der betet, für jenen der um ein Stück Brot bettelt und es nicht von den Menschenhänden erlangen konnte.

Mir erscheint, dass die Art und Weise wie bei diesen Stellen der Begriff der “Seele” verwendet wird, nicht „die Seele“ gemeint sein kann, die den Geist zu den Versuchungen der Welt (ver-)führt. Ich habe hier eher den Eindruck, dass die hier erwähnten „Seelen“ eher als „Opfer“ des Fleisches erscheinen.

Dies führt mich zum Gedanken, dass wenn der Vater an diesen Stellen die “Seele” nennt, er sich auf die „Seele“ als „feinstoffliche Gestalt des Geistes“ bezieht.

Es könnte möglich sein, dass der Begriff der „Seele“ bei den Unterweisungen des Göttlichen Meisters dem Begriff des „Geistes“ subsumiert wurde, d.h. dass wenn der Vater vom „Geist“ spricht, er die Einheit von „Geist-Seele“ meint, und wenn Er von „Körperhülle“ oder „Materie“ spricht, er die Einheit von „Körper-Seele“ meint.

Dies würde bedeuten, dass der Meister den Begriff der “Seele” zwar gebrauchte, doch es macht nicht den Anschein, dass es Sein Hauptziel war, uns im Detail den Zusammenhang unserer materiellen-geistigen Natur zu erklären. Nach El Redentor, 22.10.1950 war es Aufgabe der Geistigen Lichtwelt, der Zuhörerschaft die Göttliche Unterweisungen zu erklären. So gehörten wahrscheinlich die detaillierteren Erklärungen über die materielle Schöpfung ebenfalls dazu, weil die „Seele“ nach ELW 50,19 „Substanz“ ist.

El Redentor, 22.10.1950, S4:

Was hat die Geistige Lichtwelt in dieser Zeit gelehrt? Nur die Erklärung (hat sie gegeben), die Studie/Analyse über Mein Werk. Die Geistige Lichtwelt hat keine Offenbarungen gemacht, die euer Vater nicht zuvor offenbart hätte. Die Geistige Lichtwelt kam der Unterweisung des Meisters nie zuvor, doch wohl ist sie Prophet, Vorreiter von vielen Kundgaben und Offenbarungen des Herrn gewesen.

ELW 50,19: Doch verwechselt den Geist nicht mit der Seele: Der Geist ist Essenz, die Seele ist Substanz.

In der Unterweisung El Redentor, 26.11.1950, S.7, finden wir die folgende Erklärung des Meisters über den Menschen und seine zwei Naturen, der materiellen und der geistigen:
Das geistige Leben erhält den Menschen und das körperliche Leben hilft dem Geist in seiner Vervollkommnung und bei seinem Fortschritt. Beide Leben, beide Wesensarten bilden den einzigen Weg, den Gott dem Geist gezeichnet hat: jener seiner Vervollkommnung. Deswegen bildet ihr ein einziges Sein, ein einziges Ding, wenn ihr inkarniert seid. Ihr wisst nicht, wo die Körperhülle aufhört noch wo der Geist anfängt. Ihr sucht euren Geist im Herzen, und ihr findet ihn dort. Ihr sucht ihn in eurer Intelligenz, und dort ist er, ihr sucht ihn, oh meine Kinder, in der Vollkommenheit eures Körpers, im Leben, das in ihm schlägt, und dort entdeckt ihr ihn, denn ihr bildet/seid ein einziges Ding. Doch es ist euer Geist, der voranschreitet, der immer an der Spitze gehen muss und das Fleisch lehren soll, der Materie den Weg weisen soll. Der Geist ist der Führer, der innere Richter, der Lehrer der lehrt und sogar der Prophet, der offenbart. Doch wenn einmal beide Wesen getrennt sind, wenn das geistige Wesen vom körperlichen getrennt ist, geht die Materie zur Erde zurück, um ihr Zoll zu zahlen; bleibt (dann) der Geist in seiner Loslösung unvollständig? Ist er dann etwa nur noch die Hälfte des Wesens? Nein, in Wahrheit. Der desinkarnierte Geist ist ein ganzes Wesen, vollkommen, der aufgehört hat sein Schicksal oder (seine) Restitution auf der Erde zu erfüllen, und deshalb das Instrument, den Stock, auf den er sich stützte, um auf einer materiellen Welt zu gehen, weglässt. Doch da er jetzt Bewohner des geistigen Raumes ist, benötigt er nur Vergeistigung, Bewusstsein über sich selbst, über seinen geistigen Zustand, um im geistigen Leben leben, denken und empfinden zu können.

Wie wenige dringen in jenes Leben mit diesem Bewusstsein ein! Wie wenige verstehen es sich von dieser vergänglichen Körperhülle zu entledigen oder diese abzulegen, um die Kleidung des geistigen Bewusstseins anzuziehen und in den Bereich des Geistes einzuziehen (…). Denn der Geist hat es nicht verstanden dem Fleisch die Dinge zu offenbaren, die er in sich trägt, da er wegen der Kraft des Fleisches schwach geworden ist.

Es fällt auf, dass hier der Meister nicht ein Mal den Begriff der “Seele” benützt. Dennoch wissen wir durch die Erläuterungen der Geistigen Lichtwelt, dass die durch die 3 Erdreiche (dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich) sich entwickelte Seele dem Körper das Leben gibt, und dass die Materie durch sie ein „Vibrieren, eine (Kraft zu) ausführendem Tun, ein Denken und Kämpfen“ besitzt.

ELW 50,16. Auf diese Weise habt ihr Macht über den Körper, der aus dem Schlamm hervorging, und der, nachdem er seine Mission erfüllt hat, der Erde, aus welcher er hervorgegangen ist, Tribut zollen muss. Doch dieser Körper besitzt ein Vibrieren, eine (Kraft zu) ausführendem Tun, ein Denken und Kämpfen, und dies geschieht durch die Seele, die in ihrer Befähigung der Zweiten Zeit gleicht, in welcher Christus einen materiellen Körper annahm, um eine lebendige Lehre und das lebende Beispiel für die Menschen zu geben.

Weshalb erwähnt der Meister die „Seele“ nicht? Der Meister sprach mit einfachem, aber tiefem Worte zum Volk, damit es die Essenz des Dritten Testaments verstünde. Und die Essenz desselben ist die Kenntnis über uns selbst; zu wissen und zu fühlen, dass wir Kinder Gottes sind, da wir als „Geistwesen“ aus Ihm hervorgegangen sind, die voller Gaben und Fähigkeiten ausgestattet sind, die uns zu Seinem Ebenbild machen. Für die Erhebung unseres Geistes ist auch die Erkenntnis wichtig, dass wir zur „Wiedergutmachung“ inkarniert sind und um den Materialismus durch Erhebung und Entwicklung unserer Sinne zu überwinden. Unser Körper und der Materialismus sind Hindernisse auf dem Weg unserer Geistesentwicklung, und es ist die Aufgabe des Geistes mit seiner Materie zu harmonieren und aus ihr eine Stütze auf dem irdischen Lebenslauf zu machen.
Es wäre wahrscheinlich zu kompliziert für die Hörerschaft gewesen, assimilieren zu müssen, dass zwischen dem Geist und dem Körper noch ein Vermittelndes existiert, da es schlussendlich darauf ankommt, dass wir unseren Geist zu erheben verstehen und mittels des Gewissens im Willen des Vaters zu wandeln lernen.

Gemäss dem Gedanken, dass die “Seele” modellhaft aus zwei Teile bestehen könnte, der Körperseele (= Lebensatem, der den Körper belebt) und der Geistseele (= feinstoffliche Gestalt des Geistes”), verbänden sich diese zwei im Augenblick, in dem der Geist in die Materie inkarniert. Denn ELW 50,14 zufolge, kann der Geist nur über die Seele an die Materie gebunden werden.

ELW 50,14: Doch um den Geist an die Materie zu binden, hat er den Geist mit der Seele vereint und diese wiederum mit dem Körper.


Die Instinkte und Neigungen der Materie entstammen der Körperseele, die –folglich- aus einer frisch durch die drei Naturreiche entwickelten Seele besteht, welche ohne Erfahrung in einem menschlichen Leib, gemäss den natürlichen Gesetzen, sein fleischliches Leben “lebt und geniesst“.

Die Geistseele, welche „feinstoffliche Gestalt des Geistes“ ist, verfügt über Kampf-Erfahrungen und kann schon - durch verschiedene Inkarnationen und Erfahrungen, die sie mit dem Geist im materiellen als auch seelisch-geistigen Bereich erlebt hat - fest vereint mit ihm sein.

Doch durch den Kontakt mit der Körperseele des Körper erinnert sich die „Geistseele“ wieder an die materiellen Sensationen und neigt sich dem Körper zu, indem sie den Geist mit sich herabreisst.

Studiert man an diesem Seelen-Modell weiter, wäre es auch möglich, dass die Körperseele – zumindest ein Teil von ihr- den Seelen der Erzeuger zugehörig ist. Auf diese Weise wäre erklärbar, weshalb das neu inkarnierte menschliche Wesen sich in vielen physischen als auch charakterlichen Zügen seinen irdischen Eltern gleicht.

                                                                                                                                     Autor: Cristina Marti Schneider

 

 

1 Es ist möglich, dass in den früheren göttlichen Unterweisungen, namentlich von 1948-1949, „Seele“ noch häufiger vorkommt. Ich beziehe mich nur auf den Zeitraum 1948-1950, weil der Meister immer wieder gesagt hat, dass er in den letzten drei Jahren Seiner Offenbarung, die Essenz aller durch Ihn gegebenen Unterweisungen wiedergeben würde.